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  • Gabriele Bryant

Mitarbeitersuche über Facebook?

Aktualisiert: 22. Jan 2019


In der Hotellerie ist die Rekrutierung von Personal schwieriger als in vielen anderen Branchen. Sie ist komplexer geworden, das Stelleninserat in der Zeitung genügt längst nicht mehr. Welche Rolle spielen bei der Suche nach Personal Facebook, Youtube und andere Social Media Kanäle?    


Träumen Sie von einem personalfreien Hotel, das völlig ohne Rezeption auskommt und wo die Zimmer von Robotern gereinigt werden? Das ist sicher für manche Hotels sinnvoll und möglich. Die allermeisten Hotels werden aber auch weiterhin qualifiziertes Personal brauchen. Sobald es um mehr geht als die reine Übernachtung, können nur gute Mitarbeiter die nötige Qualität sicherstellen. Und sobald die Preisklasse den Dreisternstandard übersteigt, erwarten die meisten Gäste eben auch, von Menschen umsorgt zu werden.

Besondere Herausforderung «Gast-Geben» In der Hotellerie ist die Rekrutierung schwieriger als in vielen anderen Branchen. Neben fachspezifischem Wissen brauchen Mitarbeitende auch Gastgeber-Persönlichkeit - und dazu eine grosse Portion Leidenschaft für den Beruf. Vergleichsweise niedrige Löhne, lange, unregelmässige Arbeitszeiten und der Umgang mit anspruchsvollen, aber nicht immer liebenswürdigen Kunden führen zu hoher Fluktuation, die ständige Neurekrutierung erfordert.

Steigende Erwartungen der Arbeitnehmer Auch die Erwartungen der Mitarbeiter an den Arbeitsplatz sind gestiegen – sie erwarten heute mehr als nur einen guten Lohn. Sie suchen einen Arbeitgeber, mit dem sie sich identifizieren oder profilieren können. Sie fordern Respekt, Anerkennung und innerbetriebliche Transparenz. Sie wollen Eigenverantwortung, Entscheidungsfreiräume und Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung. Und sie suchen bessere Möglichkeiten, Beruf und Privatleben zu verbinden.

Arbeitgeber müssen sich bewerben Früher war es meist der Arbeitgeber, der sich aus vielen Bewerbern die passendsten Kandidaten heraussuchen konnte. Heute haben fähige Fachkräfte oft die Wahl und Hotels müssen fast ebenso um gute Mitarbeiter werben wie um Gäste. «Employer Branding» heisst das Stichwort: als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden – sowohl, was das Image des Hauses betrifft als auch die Arbeitsplatz-Qualität.

Neue Wege zu den Mitarbeitern finden Wie findet man heute gut ausgebildetes, motiviertes Personal? Früher setzte man eine Stellenanzeige in die Zeitung und wartete ab, was kam. Das genügt heute nicht mehr. Genau wie die Gäste nutzen auch potentielle Mitarbeitende viele unterschiedliche Informations- und Kommunikationskanäle. Wer als Arbeitgeber gesehen werden will, muss dort sein, wo gesucht wird. Dazu gehört sowohl die Nutzung verschiedener Off- und Online-Kanäle als auch ein neues Kommunikationsverständnis mit dem Fokus auf den Erwartungen der Arbeitnehmer.

Online & Social Recruiting Stellenanzeigen sind der konkreteste Teil der Rekrutierung. Sie werden ergänzt durch Unternehmenspräsenzen an Berufsmessen oder Schnupper- Angebote wie «Please Disturb». Aber auch online bieten sich viele Möglichkeiten für Arbeitgeber, um für Job-Suchende sichtbar zu sein und sie aktiv anzusprechen.

Dabei gibt es drei sich gegenseitig verstärkende Zielsetzungen. Einerseits das «Employer Branding», also den Aufbau und die Pflege einer attraktiven Arbeitgeber-Marke. Dazu kommt «Active Sourcing», die Identifizierung von vielversprechenden Potentialen, zu denen ein positiver Kontakt gepflegt werden soll, um diese Kandidaten dann zu rekrutieren, wenn sie gebraucht werden. Dritte Zielsetzung ist die konkrete Ausschreibung offener Stellen. Idealerweise werden alle drei Ziele in Kombination verfolgt und dazu die gesamte Klaviatur des Onlinemarketings eingesetzt.

Online-Rekrutierungstools und ihre Einsatzmöglichkeiten Online Job-Börsen bieten meist wenige Möglichkeiten ausser der konkreten Ausschreibung offener Stellen und evtl. einem kleinen Unternehmensprofil. Die eigene Hotelwebseite erlaubt ein umfassendes Employer Branding und die Ausschreibung offener Stellen, aber nicht die aktive Ansprache oder Interaktion.

Social Media Plattformen bieten Möglichkeiten für Branding, Sourcing und Anzeigen. Dazu gehören natürlich die Karrierenetzwerke wie Xing und LinkedIn. Sie werden noch zu wenig gezielt genutzt, um Hotelfach-Studenten oder andere potentielle Mitarbeitende zu erreichen. Hotels können sich hier mit eigenen Profilen oder Karriereseiten darstellen, an Diskussionsgruppen teilnehmen, Recruiting-Tools nutzen und Stellenanzeigen schalten. Ein Basis-Profil kostet nichts, alle anderen Instrumente sind kostenpflichtig. Wichtig für den Erfolg ist vor allem das Verständnis der Plattform als Rekrutierungstool und nicht als Instrument zur Ansprache von Gästen.

Auch Facebook ist eine hervorragende Plattform, um Employer Branding zu betreiben, Stellen auszuschreiben und mit Interessenten in Kontakt zu bleiben. Ob dies auf der Hotelseite geschieht oder auf einer eigenen Karriereseite hängt vor allem von der Grösse des Arbeitgebers ab. Wer sowohl Gäste als auch Mitarbeiter auf derselben Facebookseite ansprechen möchte, muss sein Storytelling gut planen, um beiden Zielgruppen gerecht zu werden. Dedizierte Karriereseiten sind immer effektiver – hier kann eine Kooperation z.B. in der Destination sehr sinnvoll sein.

YouTube bietet ebenfalls gute Möglichkeiten in der Rekrutierung, wird aber von Schweizer Hotels noch sehr selten dazu genutzt. Spezialisierte Community-Auftritte wie zum Beispiel YourGstaad verknüpfen schlussendlich Webseite, Ausschreibungen und verschiedene Social Media Plattformen und erreichen so alle Zielsetzungen der Online-Rekrutierung.

Bewertungsmarketing für Arbeitgeber Bewertungen sind auch in der Mitarbeiterrekrutierung ein wichtiger Trend. Job-Suchende nutzen die Meinungen bestehender Mitarbeiter, um sich ein Bild vom Arbeitgeber zu machen. Auf Plattformen wie Kununu und Glassdoor können Mitarbeitende anonym ihre Erfahrungen veröffentlichen, die Echtheit des Anstellungsverhältnisses wird dabei allerdings nicht geprüft. Arbeitgeber können eigene Unternehmensprofile erstellen und zu Bewertungen Stellung nehmen – je nach Plattform kostenlos oder kostenpflichtig. Es gibt aber auch Instrumente, mit denen Arbeitgeber mehr Kontrolle über ihre Bewertungen behalten und selbst intern anonymisierte Bewertungen sammeln, aggregieren und veröffentlichen können. Der Schweizerhof Luzern nutzt ein solches Instrument als erster Hotellerie-Arbeitgeber in der Schweiz.

Weiterführendes http://www.xing.com http://www.linkedin.com http://www.youtube.com http://www.facebook.com http://www.kununu.com/ch http://www.glassdoor.ch http://www.swissqualiquest.ch

«Good Practice» Beispiele Social Media und Bewertungsmarketing http://www.schweizerhof-luzern.ch/hotel/jobs/

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Autorin: Gabriele Bryant Artikel erschienen im Hotelier 4/2016