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  • Gabriele Bryant

Digitaler Overkill in der Gastronomie?

Auch in der Gastronomie bieten sich heute sehr viele Möglichkeiten, für relativ wenig Geld effektives Marketing zu betreiben. Die meisten Gastgeber und Gastgeberinnen fühlen sich dadurch jedoch auch überfordert. Welche Massnahmen machen wirklich Sinn? Was ist ein Muss und was ist «Nice to have»? Worauf kommt es an in der Umsetzung?


In diesem Artikel stelle ich Ihnen ein paar der wichtigsten Onlinemarketing-Massnahmen vor, zusammen mit den Aspekten für eine erfolgreiche Umsetzung. Ich habe sie unterteilt in absolute MUSS-Massnahmen, die grundlegend sind für ein erfolgreiches Onlinemarketing und in KANN-Massnahmen, die ebenfalls sehr wirkungsvoll sind und mit denen Sie Ihr Onlinnemarketing nach und nach erweitern können – WENN die Grundmassnahmen stimmen.


1. Webseite = MUSS

Ihre Webseite ist das Herzstück Ihres Online-Marketings und vor allem die einzige Internet-Präsenz, über deren Aussehen und Nutzung Sie völlig frei entscheiden können. Um Ihr Marketing wirkungsvoll zu unterstützen, muss Ihre Webseite einerseits attraktiv und vor allem «appetitlich» aussehen. Andererseits muss sie alle Funktionen und Informationen bieten, die moderne Gäste erwarten – vor allem natürlich Ihr Angebot, Ihre Location und Ihre Kontaktdaten an prominenter Stelle. Eine Gastronomie-Webseite muss nicht besonders komplex oder teuer sein.


Besonders wichtige Aspekte für Ihre Webseite sind:


CMS (=Content Management System)

Ein CMS erlaubt Ihnen, Inhalte Ihrer Webseite selbst zu aktualisieren und so z.B. Bilder oder Speisekarten selbst auszuwechseln. Ein CMS sollte «Open Source» sein, damit Sie möglichst unabhängig von der erstellenden Agentur sind. Beispiele für solche Systeme sind Typo3, Wordpress, Joomla, Drupal, etc. Diese bieten auch fixfertige Designvorlagen, die nur noch angepasst werden müssen. Für internetaffine Gastgeber mit genug Zeit und Nerven gibt es auch CMS, mit denen man seine eigene Webseite sehr kostengünstig selbst erstellen kann, z.B. Wix oder Jimdo. Dabei sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Sie genug Seiten und Speicherplatz bekommen und Ihre Seite auch wirklich für Google suchmaschinenoptimieren können.


Responsive Design

ist heute zwingend, denn viele Ihre Gäste sind unterwegs und suchen JETZT nach einem Restaurant, einem Café oder einer Bar – nicht am Schreibtisch oder vom Sofa aus. Neue Webseiten werden deshalb heute standardmässig „responsive“ entwickelt, damit sie auf allen Endgeräten vom Smartphone bis zum Desktop PC oder Smart TV optimal angezeigt werden.



2. Google = MUSS

Google spielt ebenfalls eine zentrale Rolle in Ihrem Onlinemarketing, denn ohne Google werden Sie nicht gefunden. Vor allem Suchmaschinenoptimierung, aber auch Suchmaschinenmarketing sind wichtige Instrumente, um die Auffindbarkeit Ihres Betriebs zu fördern oder Angebote gezielt zu verkaufen.


Suchmaschinenoptimierung (SMO/SEO)

SEO ist eine Grundlagen-Investition in die Auffindbarkeit Ihrer Webseite. Dafür müssen die Texte, Bilder und andere Inhalte Ihrer Webseite entsprechend strukturiert und mit Keywords versehen werden, damit Google einfach erkennen kann, für welche Suchanfragen Ihre Seite angezeigt werden sollte. Als italienisches Restaurant sollten Sie z.B. sowohl mit Suchanfragen nach «restaurant in...», «italienisch essen in ...», «pizza in...» etc. schnell gefunden werden können.

Zur Suchmaschinenoptimierung im Gastronomiebereich gehört daneben auch zwingend ein gepflegter Eintrag bei Google MyBusiness. Dieser liefert Google-Nutzern, die Sie mit Name und Adresse suchen, schon auf der Suchergebnisseite erste wichtige Informationen und Kontaktangaben. Ein Google MyBusiness Eintrag kann und sollte auch mit aktuellen Angeboten und Events versehen werden, um effektiv zum Verkauf beizutragen.


Suchmaschinenmarketing (SMM/SEM)

SEM ist eine eher kurzfristige Möglichkeit, mit bezahlten „Google Adwords“-Anzeigen gezielt Angebote zu verkaufen – z.B. für saisonale Angebote. Solange die Anzeige läuft, kommen die Klicks auf Ihre Webseite. Sobald sie abgeschaltet wird, ist es wieder vorbei. Hier ist ein Spezialist zu empfehlen, denn mit «Learning by Doing» kann unter Umständen viel Geld verschwendet werden.



3. Newsletter-Marketing = KANN

Auch wenn Sie selbst keine Newsletter lesen, bedeutet das nicht, dass Emailmarketing nicht funktioniert. Studien beweisen seit Jahren immer wieder, dass Newsletter eine der besten Massnahmen sind, um Gäste zu binden und gezielt Angebote zu verkaufen. Vorausgesetzt, sie sehen attraktiv aus, sind relevant für die Empfänger, kurz und knackig – und werden nicht nur ein- oder zweimal im Jahr verschickt...



5. Social Media = MUSS

Um Sichtbarkeit auch auf den Plattformen zu erreichen, auf denen sich Ihre Gäste tummeln, kommen Sie an Social Media nicht vorbei. Lassen Sie sich in der Wahl Ihrer Social Media Präsenzen nicht von Schlagzeilen leiten oder von dem was «man heute macht». Social Media sind zwar nicht so schwer, wenn man die Regeln und die Grundsätze des Storytellings verstanden hat. Aber es gibt sehr viele Plattformen mit sehr unterschiedlichen Einsatzzwecken und man kann sich hier völlig verzetteln.

Für die Gastronomie bietet sich einerseits Facebook als Möglichkeit, um die lokale und regionale Community gezielt aufzubauen und zu pflegen. Andererseits auch Instagram, um mit appetitlichen Food- oder coolen Party-Bildern Sichtbarkeit im Internet zu erlangen. Entscheiden Sie sich für eine oder zwei Plattformen und lernen Sie, diese optimal zu bespielen und zu nutzen. Auch kostenpflichtige Werbeanzeigen können übrigens mit viel Erfolg auf Social Media wie Facebook und Instagram geschaltet werden.



6. Bewertungsmanagement und -Marketing = KANN

Bewertungen sind in der Gastronomie nach Angebot und Location das massgeblichste Entscheidungskriterium für Gäste. Sorgen Sie dafür, dass Sie viele Bewertungen bekommen, indem Sie Ihre Gäste zum Bewerten auffordern. Beweisen Sie Offenheit und Kritikfähigkeit, indem Sie Bewertungen kommentieren. Nutzen Sie Bewertungen aktiv für Ihre Produktentwicklung, die Mitarbeitermotivation und Ihr Marketing, indem Sie sie z.B. auf Ihrer Webseite anzeigen.


7. Apps = KANN

Je nach Grösse und Ausrichtung Ihres Betriebs können Smartphone-Apps eine sinnvolle Möglichkeit sein, um z.B. die Bestellung und Bezahlung schneller abzuwickeln und damit Personalzeit zu sparen oder um Gäste schneller zu bedienen, sodass die Plätze schneller wieder frei werden. Hier gibt es eine Vielzahl an möglichen Apps, mit denen Sie Ihr Angebot kommunizieren und verkaufen können, z.B. MENU, ORDA, Gastronovi, etc. Überlegen Sie, ob Ihre betrieblichen Abläufe von einer App profitieren könnten, ob Ihre Gäste eine solche App annehmen und nutzen würden und wie Sie eine solche App Ihren Gästen gegenüber promoten können, sodass sie auch wirklich genutzt wird.


Und last but not least:

8. Das Konzept – ein MUSS

Viele potentiell erfolgreiche Massnahmen, aber welche ist denn jetzt für Sie die beste? Der wichtigste Erfolgsfaktor von allen ist und bleibt das Konzept. Dafür brauchen Sie nur etwas Zeit und Papier. Überlegen Sie: Was sinde Ihre Ziele, welche Zielgruppen wollen Sie erreichen und welche Zeit- und Personal-Ressourcen haben Sie? Welche Massnahmen könnten für Sie am effektivsten sein? Wie und wann werden Sie welche Massnahmen umsetzen und wie werden Sie den Erfolg messen? Ein fixfertiges Marketingkonzept für die nächsten 5 Jahre ist heute ebenso wenig sinnvoll wie spontanes Marketing per Nasenspitze. Sie brauchen einen pragmatischen und praktischen Plan für die nächsten 6-12 Monate und gleichzeitig die Flexibilität, neue Entwicklungen auf ihren Nutzen abzuklopfen und bei Bedarf in das bestehende Konzept zu integrieren. Nur so können Sie ein zielführendes Onlinemarketing planen und umsetzen.


Um ein pragmatisches Konzept zu erstellen, beantworten Sie folgende Fragen schriftlich:

1. Was ist Ihr Angebot? Haben Sie eine besondere Küche oder können Sie sie besonders erscheinen lassen?

2. Wer sind Ihre Gäste? Kommen Ihre Gäste aus der nahen Umgebung oder aus der Region? Sind es eher junge Menschen, Menschen mit hohen Ansprüchen an moderne Technologie, ältere Menschen mit Sinn für Geschichte und Tradition, Geniesser, Gesundheitsbewusste, Männer, Frauen, Familien, Stammgäste, Gelegenheitsgäste, etc…?

3. Von welcher Gästegruppe möchten Sie mehr, von welchen weniger?

4. Was erwarten diese Menschen von Ihnen? Hohe Qualität oder niedrige Preise, schnellen Service, Herzlichkeit und Wärme, eine Art von Zuhause etc…?

5. Wie finden diese Menschen zu Ihnen? Über Local.ch oder über Google, über Empfehlungen oder Bewertungen auf Tripadvisor, über Social Media, über das lokale Anzeigenblatt oder Ihren Newsletter, etc…?

6. Welche Ressourcen haben Sie für Ihr Marketing in Form von Zeit, Personal, Geld?

7. Welche Marketingmassnahmen werden schon erfolgreich umgesetzt: - Haben Sie eine attraktive, informative und responsive Webseite? - Wird Ihre Webseite bei Google gefunden und nutzen Sie alle Möglichkeiten von Google MyBusiness in punkto Bilder, Einträge, Angebote etc.?

- Können Sie Ihre Bewertungen als positives Verkaufsargument einsetzen oder müssten Sie an gewissen Kritikpunkten, die immer wieder auftauchen, arbeiten? - Versenden Sie schon einen Newsletter, um Stammgäste zu informieren und zu binden? - Auf welchen Social Media Plattformen sind Sie aktiv, indem Sie regelmässig attraktive Beiträge veröffentlichen? - Haben Sie saisonale oder sonstige Angebote, nach denen gesucht wird und die Sie sinnvoll über Google Adwords oder Facebook Ads promoten könnten? - Gibt es Marketingmassnahmen, die Sie noch nicht einsetzen, die aber zu Ihren Gästen passen könnten (z.B. Whatsapp-Newsletter, mobile App, Instagram-Profil, etc.)?

8. Welche «Baustellen» können Sie für sich definieren?

9. In welcher Reihenfolge werden Sie diese «Baustellen» angehen und was brauchen Sie dazu an Knowhow oder Support?

10. Skizzieren Sie einen Vorgehensplan für die nächsten sechs Monate und prüfen Sie dann die Ergebnisse: Was konnten Sie umsetzen? Mit welchen Resultaten? Was kommt als Nächstes?


Das alles selbst und aus dem Betrieb heraus zu überlegen, ist zwar möglich und sinnvoll. Es kann aber auch eine grosse Herausforderung sein, denn man sieht sich ja leider nie wirklich von aussen und manchmal fehlt auch das Knowhow, um Massnahmen wirklich einschätzen zu können. Überlegen Sie, ob Sie nicht in ein paar Stunden Zeit eines Spezialisten investieren wollen, der Ihnen mit der neutralen Aussensicht und Fachwissen helfen kann, einen wirklich effektiven und pragmatischen Vorgehensplan aufzustellen.



Bild von baranq, Shutterstock


Dieser Artikel erschien in gekürzter Form am 18. Juni 2019 auch im Magazin Chefsache.

Autorin ist in beiden Fällen Gabriele Bryant.